Gesetzesentwurf: Geschützter Beruf des Honorar-Anlageberaters

Die Bundesregierung will den Markt der Vermögensberatung transparenter machen. Zu diesem Zweck wurde ein Gesetzesentwurf verabschiedet den geschützten Beruf des „Honorar-Anlageberaters“ einzuführen.

Derzeit wird Vermögensberatung nahezu ausschließlich auf Provisionsbasis durchgeführt. Von mehr als 300.000 Beratern arbeiten in Deutschland nur rund 1.500 auf Honoarbasis. Dieses Verhältnis soll nach Wunsch der Bundesregierung deutlich verändert werden.

Viele Kunden wissen nicht, ob sie im Beratungsgespräch eine unabhängige Beratung erhalten oder der Verkäufer Provisionen kassiert beziehungsweise nur Produkte eines oder einiger weniger Emittenten und Anbieter vermittelt bekommen. Daran hat auch die Offenlegungspflicht der Berater über die Höhe der Provisionen nicht viel geändert.

Die Bundesregierung stellt Honorarberatung erstmals auf eine gesetzliche Grundlage und schafft damit den Einstieg in eine Alternativkultur der Anlageberatung. „Der Kunde und seine persönlichen Interessen müssen immer im Vordergrund stehen. Nur Banken und Berater, die diesen Grundsatz berücksichtigen, werden langfristig auf dem Anlagemarkt erfolgreich sein können“, kommentierte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner das Vorhaben. Der Gesetzentwurf basiert auf einer Initiative des Verbraucherministeriums von 2011.

Die künftigen Honorarberater müssen weitergehende Anforderungen erfüllen als Anlageberater auf Provisionsbasis:

  • Sie müssen über einen ausreichenden Marktüberblick verfügen. Die Beratung muss ein breites Angebot umfassen. Sie darf sich nicht auf eigene oder auf Finanzanlagen nahestehende Anbieter oder Emittenten beschränken.
  • Die Beratung darf ausschließlich auf Kundenvergütung erfolgen. Sind bestimmte Finanzprodukte nicht provisionsfrei am Markt erhältlich, müssen die Berater diese „Zuwendungen“ unverzüglich an ihre Kunden weiterleiten.
  • Für Honorar-Finanzanlageberater führt der Gesetzentwurf spezielle gewerberechtliche Erlaubnis- und Eintragungspflichten (IHK-Register) ein. Damit wird eine honorargestützte Anlageberatung auch für beispielsweise offene Investmentfonds möglich.

Deutsche stimmen für Provisionsberatung

Die europäische Initiative zur Abschaffung des Provisionsmodells bei der Vermittlung von Finanzprodukten ist gescheitert. Was als Einstieg in die europaweite Honorarberatung geplant war, erwies sich als Flop, sowohl bei den betroffenen Lobbys, der Politik, aber auch bei den deutschen Verbrauchern selbst, wie eine Studie der Unternehmensberatung Cofinpro ergab.

Insgesamt wurden 1000 Bundesbürger in einer repräsentativen Umfrage zu ihren Wünschen und Vorstellungen im Bereich Finanzberatung befragt. Mit einem eindeutigen Ergebnis: 94 % aller Befragten wollen auch in Zukunft eine kostenlose Beratung in Anspruch nehmen. Besonderen Aufklärungsbedarf sehen die Studienteilnehmer bei der Überprüfung der Wertentwicklung. Das die Kosten in diesen Fällen auf die Beiträge umgelegt werden, scheint die Mehrheit nicht zu stören. Sie erteilen damit der Transparenzinitiative eine deutliche Abfuhr.

Ein verheerendes Zeugnis stellt die Studie den gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsprotokollen der Banken aus. Sieben von zehn Teilnehmern gehen davon aus, dass diese so formuliert sind, dass sich in erster Linie die Banken für den Rechtsstreitfall absichern – also dem Gegenteil der Intention der Beratungsprotokolle. Gleichzeitig wünschen sich 88% der Befragten mehr Initiative der Banken, um von den Beratungsprotokollen zu profitieren. 57 Prozent würden ihrer Bank sogar erlauben, Beratungsprotokolle systematisch für die Angebotsgestaltung auszuwerten.

„Das Beratungsprotokoll entwickelt sich bei den Kunden immer mehr zu einer Visitenkarte des Bankberaters“, sagt Melanie Purgar, Expertin für Vertriebsprozesse bei Cofinpro. „Viele Institute unterschätzen dabei, dass zu einer qualitativ anspruchsvollen Anlageempfehlung transparente Erläuterungen zur begleitenden Mitschrift gehören. Die erste Frage des Beraters sollte daher immer lauten, ob der Kunde mit dem Beratungsprotokoll vertraut ist oder er grundlegende Erklärungen zu den Pflichtangaben wünscht. Das schafft Vertrauen und versetzt den Kunden anschließend in die Lage, sich ein besseres Urteil über die Beratung zu bilden.“

Zusätzlich zu einem seriöseren Umgang der Banken mit dem Thema Beratungsprotokolle wünschen sich 70% der Befragten externe Kontrollen, beispielsweise durch unabhängige Verbraucherzentralen oder die Stiftung Warentest. „Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Institute noch immer vor der Herausforderung stehen, das in der Finanzkrise verloren gegangene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Hierfür bietet sich das Beratungsprotokoll als wichtiges Kundenbindungsinstrument an. Diese Potenziale werden von den Banken aktuell jedoch noch nicht voll ausgeschöpft“, sagt Melanie Purgar.

Provisionsverbot für freie Finanzberater

Das EU-Parlament hat den umstrittenen Provisionen an unabhängige Berater den Kampf angesagt. Die Abgeordneten stimmten einem entsprechenden Verbot in der überarbeiteten EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid zu.

„So wird unabhängige Beratung ein starkes Gütesiegel, nach dem sich Anleger richten können“, sagte der Vorsitzende der SPD-Abgeordneten im Parlament Udo Bullmann der FTD. Die Annahme von Provisionen bei der Vermittlung von Finanzprodukten, beispielsweise Fondsprodukten, ist nach der neuen Regelung nur noch dann gestattet, wenn sie an den Kunden weitergegeben und transparent gemacht werden.

Die neue Regelung sorgt für ein vorläufiges Ende der hitzigen Debatte in den letzten Wochen. Allerdings geht Verbraucherschützern die Regelung längst nicht weit genug. Sie fordern zwar kein Verbot von Provisionen, sondern dass die gezahlten Provisionen an den Kunden weitergeleitet werden sollen, was in der Konsequenz dieselbe Wirkung wie ein Provisionsverbot hätte. Das Parlament habe „eine goldene Möglichkeit verpasst“, Kunden besser zu schützen, kommentiert die EU-Verbraucherschutzorganisation BEUC gegenüber Pressevertretern.

Unterstützung erhalten die Verbraucherschützer von Abgeordneten der Grünen sowie britischen Parlamentariern. Sie plädieren für ein System der Honorarberatung, da nur diese eine unabhängige Beratung der Kunden gewährleiste. Eine Regelung, die von den Sozialdemokraten mit dem Argument abgelehnt wurde, dass „nur Reiche sich die Honorarberatung leisten könnten.“

Mehrere Optionen liegen für die Zukunft noch auf dem Tisch. Sie alle bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Transparenz, einem kompletten Provisionsverbot und der Option, dass nur Berater, die keine Provisionen annehmen, sich unabhängig nennen dürfen.

Das Thema Provisionen war nur ein kleiner Bestandteil der neuen Richtlinie Mifid. Hauptsächlich ging es um die Entschleunigung und Regulierung des Hochfrequenzhandels, der mitverantwortlich für die Turbulenzen an den Börsen in den letzten Jahren gemacht wird. Zudem sollen Spekulationen mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln eingedämmt werden.